Trainingscamp macht Fachkräfte aus dem Ausland fit für Medizinberufe

Zahnmedizinische Fortbildung in Freiburg


Aus der Presse: Badische Zeitung vom 14.08.2017 

Die Freiburg International Academy bietet Kurse an, die Fachpersonal sprachlich und fachlich fürs deutsche Gesundheitssystem fit machen sollen. Nun wurde ein neues Schulungszentrum eingeweiht.

Wer in der Freiburger Uniklinik oder einem anderen Krankenhaus der Stadt behandelt wird, trifft dabei höchst wahrscheinlich auch auf Ärzte und Pflegepersonal aus dem Ausland. Bundesweit hat laut Ärztekammer inzwischen jeder zehnte Mediziner einen ausländischen Pass.

Nabeel Farhan weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, sich hierzulande mit Migrationshintergrund auf der Uni und dem Arbeitsmarkt behaupten zu müssen. Als 17-Jähriger kam der junge Mann aus Mekka in Saudi-Arabien nach Deutschland, absolvierte zunächst einen Sprachkurs in Bonn, studierte dann Medizin in Heidelberg, promovierte dort und avancierte anschließend an der Freiburger Uniklinik zum Facharzt für Neurochirurgie. "Ich habe immer wieder erlebt, wie Kollegen aus dem Ausland die Sprachkenntnisse gefehlt haben, um angemessen mit Patienten zu kommunizieren, und ich habe auch mitbekommen, wie eigentlich gute Fachleute an Formalitäten gescheitert sind oder ganz am System vorbeigegangen sind – aus Unkenntnis", berichtet Farhan. Deswegen begann der Arzt im 2011 an der Uniklinik sich um die Qualifizierung und Integration von medizinischem Fachpersonal zu kümmern – unterstützt von Kollegen. 

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Ziel ist die Approbation in Deutschland

Das Angebot stieß auf derart rege Nachfrage, dass im Jahr 2015 die Freiburg International Academy (FIA) ausgegründet wurde – als gemeinnützige GmbH, geleitet von Geschäftsführer Nabeel Farhan und unter wissenschaftlicher Leitung von Michael Wirsching, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Die FIA bietet Kurse für ausländische Mediziner, bei denen diese zunächst Deutsch lernen, mindestens bis Niveau B2, bei dem fließende Konversation möglich ist. Dann werden die Kursteilnehmer in der Interaktion mit Patienten geschult und schließlich auf die sogenannte Gleichwertigkeitsprüfung zum Nachweis ihrer medizinischen Kenntnisse vorbereitet, um am Ende die Approbation in Deutschland zu erlangen.


Angebot wird ausgeweitet

Das Angebot gibt es nun auch für Zahnmediziner. Dafür wurde in der Adlerstraße 6 ein knapp 100 Quadratmeter großes Trainingszentrum eingeweiht. Dort werden unter anderem an Phantomköpfen Zahnbehandlungen geübt. "Zudem werden auch Kurse für Apotheker starten und zum Jahreswechsel kommen Kurse für Pflegekräfte dazu", sagt Nabeel Farhan. Mittlerweile gibt es Dependancen in Heidelberg und Frankfurt am Main, weitere Standorte sind in Jena, Dresden und Hannover geplant.

Zuletzt durchliefen 400 Menschen jährlich die Kurse, die rund vier Monate dauern. Die Kosten liegen bei etwa 10.000 Euro. Ein kleiner Teil der Absolventen bezahle selbst, ansonsten springe die öffentliche Hand ein – entweder die Arbeitsagentur oder das Förderprogramm IQ und teilweise auch die Baden-Württemberg-Stiftung mit dem Baden-Württemberg-Stipendium. Die FIA beschäftigt inzwischen mehr als 40 Mitarbeiter.

Text: In Anlehnung aus der Badischen Zeitung, Fotos: FIA